Brennstoffzellenautos ja oder nein?

In Politik, Automobilindustrie und Wissenschaft herrscht Uneinigkeit hinsichtlich des neuartigen Trägerstoffs für Wasserstoff Carbazol, konnte man auf greenmotorsblog.de lesen.

Viele sind ganz aus dem Häuschen, andere sehr verhalten und wieder andere halten gar nichts davon. Es geht um den Energietragenden Stoff (ETS) Carbazol. Genauer um das Carbazolderivat N-Ethylcarbazol, das als Trägerflüssigkeit für Wasserstoff dient. Entdeckt wurde der „Wundersprit“ von einem Team um Wolfgang Arlt, Professor für Verfahrenstechnik an der Uni Erlangen.

Carbazol bietet  mehrere Vorteile: Es wird nicht wie ein Kraftstoff verbraucht, sondern lediglich der darin chemisch gebundene Wasserstoff wird entzogen und in einer Brennstoffzelle in Strom umgewandelt oder einem Verbrennungsmotor zugeführt. Das Carbazol wird dabei nicht verbraucht und bleibt dem Kreislaufsystem weiterhin als Trägerflüssigkeit erhalten. An der Tankstelle würde das energiearme Carbazol abgepumpt und frisches energiereiches Carbazol wieder getankt.

Zudem ist in einem Kubikmeter Carbazol fast 50% mehr Wasserstoff (58 kg) enthalten als in einem ein Kubikmeter fassenden, unter 700 Bar Druck stehenden Druckbehälter der mit gasförmigem Wasserstoff (40 kg) befüllt ist – und das ohne vorherige energieaufwändige Komprimierung und ohne die schweren Druckbehälter im Fahrzeug. Es könnte somit nahezu dieselbe Infrastruktur verwendet werden wie sie bereits für Benzin- oder Dieselkraftstoff besteht.



Auch zur Speicherung von regenerativ gewonnener elektrischer Energie könnte Carbazol verwendet werden. Projekte wie Desertec o.ä. könnten so ohne die Errichtung von tausende Kilometer langen Stromleitungen auskommen. Der Strom z.B. per Elektrolyse könnte in Wasserstoff umgewandelt, in Carbazol gebunden, per Pipeline transportiert und wie Rohöl gespeichert werden.

Aber Carbazol hat auch einige Nachteile, so Stimmen aus der Automobilindustrie. Der Tank müsste für dieselbe Reichweite wie sie Benzinermodelle haben augrund der niedrigeren Energiedichte im Carbazol doppelt so groß sein. Zudem müsste das Carbazol auf weit über 80 Grad Celsius erhitzt werden bevor es den Wasserstoff wieder abgeben würde. Darüber hinaus wäre der so gewonnene Wasserstoff noch nicht rein genug für die Verwendung in einer Brennstoffzelle, er müsste zusätzlich gefiltert werden. Und sicherlich gibt es über diese Nachteile hinaus noch etliche andere, die dem Laien überhaupt nicht bewusst sind.

Gegenüber den Vorteilen scheinen die Nachteile aber eher gering und auch technisch beherrschbar zu sein.  Würde man zukünftig also auf Wasserstoff als Primärenergie setzen, scheint Carbazol aus heutiger Sicht als Energieträger durchaus großes Potenzial zu haben.

Laut der forschenden Professoren wird erst seit einem Jahr an dem Thema geforscht und viele weitere dürften bis zu einer etwaigen Marktreife vergehen. Königsweg oder Irrfahrt? Die Zukunft wird es zeigen.

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